Was darf/kann/sollte Man(n) in der Sexismus-Debatte?

Was darf/kann/sollte Man(n) in der Sexismus-Debatte?

„Der verunsicherte Mann“ – so der Titel des Artikels von Tomasz Kurianowicz, welcher im Oktober 2017 , also inmitten der #metoo-Debatte, auf ZEIT Online erschien und für den er, so seine Freundin Laura Hoffmann, „irgendwie so richtig abgefeiert wurde“.

Sowohl Tomasz Kurianowicz, als auch Laura Hoffmann, selbst Autorin für den Berliner Tagesspiegel und durch ihre feministischen Tweets hin und wieder auserkorenes Ziel rechter Shitstorms, besuchten uns vergangenen Donnerstag an der Neuen Uni in Heidelberg, um miteinander, sowie mit uns über die Frage zu diskutieren, was Man(n) in der Sexismusdebatte eigentlich beitragen darf/kann/sollte. Dass die beiden privat ein Paar sind, nahm der Debatte nichts an ihrer Kontroversität, sondern bescherte uns viel mehr die eine oder andere spitze Note in so manchem Statement.

Kurianowicz hob in der Diskussion sowie auch schon in seinem Artikel hervor, dass sich „Männer“ in der Sexismusdebatte irritiert, verunsichert und angegriffen fühlten. Irritiert, weil missglückte Flirtversuche mit sexueller Gewalt vermischt worden seien, verunsichert, weil eine Anleitung zu nicht-sexistischem Verhalten und angemessenem Umgang miteinander nicht gegeben werden konnte und „Mann“ nun nicht mehr wisse, wie er sich denn nun verhalten solle, und schließlich angegriffen, indem „Männer“ pauschal als Täter, nicht aber vielleicht selbst als Opfer, eingeordnet worden sein.

Dem wurde entgegnet, dass ein positiver Aspekt der ganzen Debatte gerade darin liege, dass auch Männer einmal Verunsicherung bezüglich ihres Verhaltens spürten und dieses infolge dessen zu hinterfragen hätten. Zwar gebe es keine auf alle Situationen anwendbares Regelwerk für nicht-sexistisches Verhalten, doch durch eben jene Verunsicherung könne eine Reflexion angeregt werden, welche dann dazu führe, dass wir die Situationen, in denen wir uns befinden sowie unser Gegenüber zu lesen lernen und sich so ein angemessener Umgang miteinander etabliert.

Selbstverständlich sollten sich nicht alle Männer als Täter fühlen und schämen müssen, doch eigene Privilegien zu erkennen, könne manchmal ein teils schmerzhafter Prozess sein. Nicht alle Männer seien Täter, aber alle Männer profitierten vom System.

Auch Tomasz Kurianowicz gestand ein, dass #metoo bei vielen Männer gerade deshalb eine innere Scham ausgelöst habe, weil sie sich teilweise ertappt gefühlt haben, indem unter anderem Situationen beschrieben wurden, in denen sie sich selbst schon wiedergefunden, diese jedoch nie als sexistisch empfunden haben.

Gleichzeitig leiden auch Männer unter spezifischen Erwartungen und Vorstellungen von „Männlichkeit“, die genauso omnipräsent sind, wie die Erwartungen an Frauen.

Laura Hoffmann erklärte, dass wir letztlich alle Sexist*innen seien, indem wir alle Geschlechterstereotype im Kopf hätten, ohne dass wir uns dessen immer bewusst seien. Kein Mensch ist frei von Widersprüchen, doch gerade jene internalisierten Rollenbilder gilt es zu erkennen und zu hinterfragen.

 

 

 

 

 

Dies soll anknüpfend an das Gespräch mit Laura Hoffmann und Tomasz Kurianowicz am kommenden Donnerstag, den 31.05.2018 (Feiertag) von 14 bis 18 Uhr im Raumfänger auf dem Bunßenplatz geschehen.

Wie sehr definieren wir uns über vorgefertigte Rollenbilder von „Mann“ und „Frau“ und welche spezifischen Erwartungen gehen damit einher?

In Form einer interaktiven Ausstellung wollen wir mit Euch darüber ins Gespräch treten, was Geschlechterrollen für uns bedeuten, was sie mit uns machen und ob wir sie heute noch brauchen. Neben der Rolle von „Männern“ in der Sexismusdebatte soll es um Geschlechterstereotype in der Werbung sowie Kommunikation und Misskommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen gehen. Die konkrete Ausgestaltung liegt bei Euch, also kommt vorbei – wir sind gespannt, Eure Meinungen zu hören.

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