Lohnt sich Leistung noch in Deutschland?

Lohnt sich Leistung noch in Deutschland?

Deutschland als Land, in dem wir gut und gerne leben. Leben die Menschen wirklich gut und gerne in Deutschland? Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Wie reden wir im Jahr 2018 miteinander?“ stellten wir unseren Raumfänger im wohlhabenden Neuenheim auf. Auch hier war unsere kleine Blase ein großer Blickfang. Inhaltlich einführende Leitfragen, die rund um den Neuenheimer Marktplatz platziert wurden, waren unter anderem Fragen wie „Wo verläuft die Grenze in Deutschland?“, „Einmal unten – Immer unten?“, „Werden Reiche zu Unrecht stigmatisiert?“ oder „Gibt es Chancengleichheit in Deutschland?“. Durchaus wollten wir damit provozieren. Durchaus wollten wir damit erreichen, verschiedene Milieus zum Reden zu bringen. Dies scheiterte vergebens. Wir stellten fest, dass überwiegend interessierte Schüler*Innen und junge Mütter sich getrauten, ihre heile Blase zu verlassen, um eine andere zu betreten.

In unserem Raumfänger war eine Ausstellung zu finden, zu der neun Stationen gehörten. Dargestellt wurde die deutsche Vermögens- und Einkommensverteilung, soziale Ungleichheit in Heidelberg, Fakten zu Hartz IV, Position der Mittelschicht, Möglichkeiten zur Armutsbekämpfung und eine Reihe von Diskussionsanregungen. Dass laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung das obere Prozent in Deutschland ein Drittel, die oberen zehn Prozent 60% und die untere Hälfte der Bevölkerung 2,5% des Vermögens besitzen, stoß bei vielen Besucher*Innen auf großes Unverständnis. Zudem kritisierten viele die Erkenntnis, dass das real verfügbare Einkommen für die unteren 40% der Bevölkerung seit 1999 gesunken ist. Im Kontrast dazu ist es äußerst interessant, dass das größte Einkommen leistungslos durch Erbschaft erzielt wird. Wenn das Vermögen der Eltern demnach über die Zukunftschancen bestimmt, liegt eine Refeudalisierung vor. Passend hierzu schrieb ein Gast unseres Raumfängers – „Es reicht!“.

Aus vielen Gesprächen ging hervor, dass man endlich den Reichtum antasten müsse, damit die Unterfinanzierung der Schulen, Universitäten, Pflege, und vieles mehr gestoppt werden könne. Um die Schere zwischen Arm und Reich nahbarer zu machen, sorgte unser Vergleich zwischen den Hochhaussiedlungen in Boxberg und Emmertsgrund und den schicken Villen am Neckar für Brisanz. Wer und was gehört zu Heidelberg? Kennzeichnet sich Heidelberg lediglich durch die romantische Szenerie entlang des Neckars, durch die gebildeten (angehenden) Akademiker*Innen und Heidelbergs wissenschaftliche und kulturelle Excellence oder gehören das Obdachlosen-Lager unter der Czernybrücke, die Arbeiter*Innen, die millionenschwere Projekte der Stadt ermöglichen und die Heidelberger Tafeln auch dazu? Ein stolzes, städtisches Selbstbild, das dringend reflektiert werden muss. Alle Besucher*Innen sind sich einig, dass etwas getan werden muss.

Die Konkretisierung, wie nun Armut bekämpft werden kann, ist jedoch der Knackpunkt. Zwar waren die Besucher*Innen mehrheitlich für die Wiedereinsetzung einer Vermögenssteuer, Abschaffung von Leiharbeit und befristete Beschäftigung und kostenlose Bildung, aber die Forderungen verschallten innerhalb unserer Blase. Allerdings war jedes Gespräch und jede Idee ein Gewinn für uns Beteiligte. Unser Ziel, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wurde mehr als nur erfüllt. Zuhören ist ein äußerst unterschätztes Gut, das in Zeiten einer zunehmenden sozioökonomischen Unzufriedenheit von großer Wichtigkeit ist. Offene Veranstaltungen wie diese beweisen, dass die Bevölkerung für kritische Diskurse offen ist. Zu bemängeln ist, dass die Veranstaltung insofern einseitig verlief als dass die Stimmen, die dem Vorhaben einer wirklichen Umverteilung von oben nach unten entgegenstehen, an diesem Tag nicht zu Wort kamen, sondern lediglich von außen auf unsere Blase blickten. Gesprächsthema waren wir trotzdem.


 
Was bleibt also von einem Abend, an dem wir zumindest für kurze Zeit versuchen wollten, die Kluft zwischen Arm und Reich zu schmälern? Ein Appell. Ein Appell, sich auch weiterhin mit denjenigen zu solidarisieren, die nicht gehört werden. Ein Appell, auch weiterhin unbequeme Wahrheiten aufzuzeigen. Ein Appell, dass die junge Generation gemeinsam die treibende Kraft für einen gesellschaftspolitischen Umbruch sein solle, damit sich Leistung wieder lohne.

Das Raumfänger-Team Arm-Reich

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