Demokratie irgendwo zwischen Soll und Ist

Demokratie irgendwo zwischen Soll und Ist

Das Verhältnis von Bürger*Innen und Staat in der Demokratie – eine Geschichte voller Missverständnisse? Vergangenen Donnerstag fand mit der letzten Inputveranstaltung quasi der Auftakt zum Abschluss der „Wie wir miteinander reden“-Reihe statt. Als Referentin konnte Dr. Sybille de la Rosa gewonnen werden, die mit ihrer Verbundenheit zum IPW (Institut für Politische Wissenschaft) keine unbekannte Größe darstellte – und der mittels ihres aktuellen Engagements für das Projekt „Demokratie gewinnt“ der Diakonie Hessen, eine bemerkenswerte Verknüpfung zwischen politikwissenschaftlicher Theorie und Praxis gelang. Die Wahl des Veranstaltungsort ebenfalls spannend gewählt, das Haus am Wehrsteg, genauer dessen Garten, was zumindest atmosphärisch einen Raum weit jenseits des akademischer Elfenbeinturms schuf. Die Zahl der Teilnehmenden überschaubar, dafür die Gelegenheit zum fruchtbaren Austausch weit größer als es ein dichtbesetzter Hörsaal je bieten könnte. Und so mündete der kurze Input seitens Dr. de la Rosa schnell in eine allgemeine Diskussion über die neueren Entwicklungsstadien, den aktuellen Ist-Zustand und die Bedingungen der bundesdeutschen Demokratie. Der zuvor von de la Rosa angerissene Gedanke, ob bei der Mehrheit der Bürger*Innen nicht ein zu einseitiges Verhältnis zum Staat vorherrsche, welches diesen als bloßen Trichter versteht, der die Überzahl der an ihn herangetragenen Interessen und Wünsche filtern und schließlich erfüllen soll – und die Bürger*innen je nach Lesart als bloße Bittstellende bzw. Fordernde, oder eben als Empfänger*Innen begreift, nicht aber als Träger*Innen und Erfüllungsgehilfen der Demokratie – wich schnell weitergehenden Fragen. Etwa nach den Bedingungen und Hintergründen für Phänomene wie Politikverdrossenheit, die Erosion der Autorität von Politiker*Innen, aufkeimenden Populismus bzw. den breiten Widerhall der AfD in der öffentlichen Debatte. Zum Schluss fand gar die provokante Fragestellung Raum: „Wozu überhaupt Demokratie?“ bzw. „Was denn für die Demokratie spräche?“ – im Sinne, ob wir es uns in der Vergangenheit nicht zu leicht gemacht haben die liberale Demokratie als gegeben und ihren Wert aus sich selbst heraus gesetzt zu behandeln. Ob wir dies als Bürger*Innen nicht wieder und wieder aufs Neue erarbeiten, erstreiten und mit Leben füllen müssen – und wo die Orte und Institutionen dafür sind dies zu lernen und umzusetzen. 

Ein erster praktischer Erfahrungsort hierfür wird der nächste Raumfänger in der Altstadt sein, am Donnerstag, den 26.07.2018, 17-21 Uhr 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.